Gordiola bei Palma de Mallorca – einzigartige Glaskunst

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Marie
Autor
Marie

Wer bisher der Meinung war, der heißeste Ort Mallorcas wäre der traumhafte Sandstrand zur Mittagszeit liegt mächtig daneben. Die Glasmanufaktur Gordiola in der Nähe von Palma de Mallorca hantiert mit Temperaturen um die 1500 °C. Eine Kunst mit Tradition, die jedermann beeindruckt!

STORY

Die Glasfertigung auf Mallorca hat eine lange Geschichte, die schon um 600 vor Christus beginnt. Die Phönizier waren zu dieser Zeit diejenigen, die schon Glas herstellten. Woher sie das Handwerk erlernten, ist nicht bekannt. Allerdings gaben sie ihr Wissen an die Römer weiter. Mit farbigen mallorquinischem Glas begannen die Mauren. Seit 1232 hat sich Grün als erste Farbe in vielen Glasbläsereien durchgesetzt. Vielleicht ein gutes Omen, denn Grün ist die Farbe der Propheten. Auch für schnörkelige, reich verzierte Formen ist die Produktion auf Mallorca bekannt. Ihren Ansporn fand die Glasherstellung nach der maurischen Herrschaft auch durch die christlichen Herrscher, die ihren Wein lieber aus zierlichen copa de vi (Gläsern) trinken wollten. Außerdem erkannte man das große wirtschaftliche Potential des Handwerks. Monopolbildung und Verbote waren Folgen dieser Erkenntnis, aber auch die Natur hatte einige Einbußen zu ertragen. Die Wälder der Insel waren durch den überdimensionalen Holzverbrauch zur Befeuerung der Schmelzen abgeholzt. Auf Murano, eine Insel vor Venedig, befand sich das europäische Metropol. Die goldenen Hände der dortigen Glasbläser schufen so einzigartige Werke, dass sie wie Gefangene gehalten wurden, um zu verhindern, dass sie ihr Knowhow verbreiten können. Inzwischen vermehrte sich die Konkurrenz auf Mallorca, da die Katalanen ihre Glasexperten dorthin sandten, um sich das Können abzugucken und die Geheimnisse der Herstellung zu lüften. Insider aus Murano waren zu dieser Zeit Gold wert! Einer von ihnen kam 1600 nach Mallorca und erwirkte fünf Jahre später die Genehmigung in den Glasmanufakturen zu arbeiten. Die mallorquinischen Glasbläser ahmten Form und Farbgebung so einwandfrei nach, dass noch bis heute viele Stücke als venezianisches Glas zertifiziert werden. In Palma de Mallorca könnt ihr die farbenprächtige Rosette der Kathedrale La Seu bewundern, die Anfang des 17. Jahrhunderts angefertigt wurde. Die kleinen und teuren Glasbläsereien wurden im 18. Jahrhundert von der industriellen Fertigung vertrieben. Zwei Jahrhunderte später erhielten sie ihren Stellenwert vor allem durch den steigenden Tourismus wieder zurück. Die populärsten Orte, die auch noch heute die Formen und Techniken der Glaskunst beherrschen, sind die Firmen Menestràlia (Campanet) und Lafiore (S’Esglaieta), sowie das Familienunternehmen Gordiola-Manufaktur (Algaida).

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GORDIOLA

Eine halbe Stunde Autofahrt von Palma de Mallorca entfernt, in Algaida, findet man das beeindruckende Familienunternehmen Gordiola. Seit 1719 werden dort Geschirr, Vasen, Figuren und vieles mehr gefertigt. Nicht nur was geschaffen wird, lässt die Besucher staunen, sondern auch die Location an sich. Die Gordiola-Manufaktur ist nämlich in einer alten, nachgebildeten Burg beherbergt. Bei einem Besuch kann man sich die Produktionsräume ansehen und das Handwerk super erkunden. Die Glasbläser lassen sich bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und kreieren mundgeblasene wunderschöne Figuren und Produkte.  Seit 1975 gehört auch ein Museum zu Gordiola. Antike Glasprodukte, Glaskunstwerke und Glasmalereien, auch Stücke aus der privaten Sammlung der Familie Gordiola, findet man dort vor. Einige Glaserzeugnisse kann man vor Ort auch käuflich erwerben, was bei einem so hohen Begeisterungsfaktor der Gäste definitiv angemessen ist. Verbindet euren Palma-Trip unbedingt mit einem Ausflug zur Glasbläserei Gordiola. Ihr werdet große Augen machen!

  • INFO
  • Vidrios de Arte Gordiola. S.L.
  • Ctra. Palma – Manacor Km 19.
  • 07210 Algaida – Illes Balears (Mallorca)
  • www.gordiola.com